Auf dem Papier erfüllt Infomaniak fast alle grünen Kriterien: 100 % Schweizer Rechenzentren, erneuerbarer Strom, seit Jahren behauptete CO2-Neutralität, Umweltbewertung A+ in unserem Verzeichnis. Ein CSR-Manager könnte hier aufhören.
Doch „klimaneutral“ ist keine magische Eigenschaft eines Servers. Es handelt sich um eine Reihe von Infrastruktur-, Energieeinkaufs- und Emissionsbilanzierungsentscheidungen – manchmal solide, manchmal unscharf, sobald man sich mit der Umgebung befasst. Bei einer nützlichen Anfrage geht es nicht darum, den Slogan der Homepage zu wiederholen. Dabei geht es um die Frage: Was wird wo, von wem gemessen und was bleibt außerhalb des Bildschirms?
Was Infomaniak öffentlich dokumentiert
Infomaniak zeichnet sich vor allem durch die relative Transparenz seines ökologischen Diskurses aus. Das Unternehmen veröffentlicht jährlich einen Wirkungsbericht mit Zahlen, die nur wenige europäische Gastgeber so zugänglich machen.
Folgendes können Sie überprüfen, ohne sich an einen Vertriebsmitarbeiter wenden zu müssen:
| Indikator | Was Infomaniak kommuniziert | Was es beweist – und was es nicht beweist |
|---|---|---|
| Durchschnittlicher PUE ~1,085 (2024) | Energieeffizienz von Rechenzentren | Kühlung und elektrische Zusatzgeräte werden gesteuert. Sagt nichts über den Verbrauch Ihrer Anwendung aus. |
| 100 % erneuerbarer Strom | Wasser-/Solarmischung, ca. 30 % vor Ort produziert | Die Stromversorgung der Maschinen erfolgt dekarbonisiert an der Steckdose. Deckt nicht die vorgelagerten Emissionen (Serverherstellung) ab. |
| 200 % Entschädigung | Restemissionen in der Schweiz und international kompensiert | Explizite Politik der Neutralität. Es geht nicht um Null-Emissionen: Es geht um Reduzierung + dokumentierte Kompensation. |
| Kühlung ohne Klimaanlage (seit 2013) | Gefilterte Außenluft | Seltene und konsistente architektonische Wahl mit niedrigem PUE. |
| Rechenzentrum D4 (2025) | 100 % Abwärmerückgewinnung | Konkretes Energiewiederverwendungsprojekt (Stadtheizung in Genf), gemessen über ERE/ERF. |
| Überholte Server bis zu ~15 Jahre | Reduzierung der Emissionen im Zusammenhang mit neuen Geräten | Der Nachweis, dass die wesentlichen „Scope 3“-Auswirkungen ernst genommen werden. |
In unserem Infomaniak-Datenblatt ergeben diese Elemente einen Ökologie-Score von 9,7/10 und einen PUE-Wert von 1,1. Dabei handelt es sich nicht um erfundenes Marketing, sondern um öffentliche Dokumente, die Sie vor der Unterzeichnung öffnen können.
Infomaniak ist in Sachen Ökologie glaubwürdig, weil sie zählt. Die Falle besteht darin, diese Infrastrukturzahlen mit dem tatsächlichen Fußabdruck Ihres Webprojekts zu verwechseln.
Die drei Nachweise, die man verlangen muss – selbst von einem „guten Schüler“
Selbst bei einem ernsthaften Spieler trennen vier Fragen eine Marketingverpflichtung von einem umsetzbaren Beweis.
1. Der vollständige Wirkungsbericht, nicht die Infografik. Laden Sie das PDF des CO2-Fußabdrucks herunter und ermitteln Sie den Umfang: allein Rechenzentren, Reisen, Materialeinkäufe, Dritte? Infomaniak gibt beispielsweise etwa 3.800 tCO₂-eq im Jahr 2023 an, wovon der Großteil mit Servern verbunden ist. Dieser Detaillierungsgrad ist selten – nutzen Sie die Gelegenheit und vergleichen Sie mit einem Mitbewerber, der einfach „grün“ anzeigt.
2. Der PUE, aber auch der ERE und der ERF. Der PUE misst die Effizienz des Gebäudes. Der ERE (Energy Reuse Effectiveness) und der ERF (Energy Reuse Factor) geben an, wie viel der verbrauchten Energie wiederverwendet wird – beispielsweise zum Heizen einer Nachbarschaft. Infomaniak hat offen erklärt, dass PUE allein nicht mehr ausreicht, um den Klimanotstand zu bewältigen. Wenn ein Gastgeber nur PUE angibt, wählt er den schmeichelhaftesten Indikator.
3. Der Umfang der CO2-Neutralität. Bedeutet „200 % neutral“ nur direkte Emissionen aus Rechenzentren oder auch der Herstellung von Maschinen, Mitarbeiterreisen, Dienstleistern? Infomaniak dokumentiert diese Positionen. Ein anderer „neutraler“ Gastgeber vergütet möglicherweise nur den Strom an der Steckdose – eine große Lücke in der CSR-Prüfung.
Was die CO2-Neutralität von Infomaniak nicht abdeckt
Dies ist der Punkt, den „Green Hosting“-Seiten fast immer ignorieren.
Infomaniak kontrolliert seine Flotte, seinen Energiemix und seine Kühlkette. Er kontrolliert nicht:
- Ihr Code – ein WordPress mit zwölf Plugins, einem schlecht abgestimmten Cron oder unkomprimierten Bildern verbraucht mehr CPU als nötig, unabhängig vom PUE des Gebäudes.
- Dienste von Drittanbietern – Analysen, Google-Schriftarten, externes CDN, SaaS-API: Ihr Fußabdruck erscheint nicht im Infomaniak-Auswirkungsbericht.
- Verkehr und Medien – starke Videos, Streaming, große herunterladbare Dateien: Netzwerkenergie ist stromabwärts vom Rechenzentrum vorhanden.
- Ihre zusätzlichen Umgebungen – Staging, lokale Kopien, verbliebene Entwicklungsstationen: außerhalb des Hosting-Bereichs.
Die Wahl von Infomaniak im Bereich Ökologie ist sinnvoll, wenn Sie einen dokumentierten Schweizer Infrastrukturanbieter suchen. Dies ist keine Ausnahme von der Optimierung Ihres Stacks. Für den allgemeinen Rahmen rundet der Leitfaden „Grüne Unterkünfte: Die Hinweise, die zählen“ (/fr/blog/hebergement-vert/) diese Lektüre ab.
Infomaniak sieht sich mit „Greenwashing“ des Marktes konfrontiert
Im Vergleich zum Durchschnitt der europäischen Hosting-Anbieter liegt Infomaniak deutlich über dem Hintergrundrauschen:
- Kein undurchsichtiges Rechenzentrum „irgendwo in Europa“: Vier Standorte in der Schweiz dokumentiert.
- Kein einfacher Kauf von CO2-Gutschriften ohne Materialpolitik: lange Aufbereitung, ARM-Test zur Verbrauchsreduzierung, natürliche Kühlung** seit 2013.
- Kein Schweigen zu Grenzwerten: Das Unternehmen spricht offen über seine Emissionen im Zusammenhang mit neuen Servern (1,7 bis 2,5 tCO₂ pro Maschine).
Bleiben Sie jedoch in drei Graubereichen wachsam:
- „100 % erneuerbar“ – prüfen Sie, ob es sich um lokale Produktion, Herkunftsnachweise oder Entschädigungen handelt; Infomaniak beschreibt seinen Mix im Detail, andere Spieler nicht.
- 200 % Kompensation – nützlich und transparent, aber es ist nicht dasselbe wie ein Netto-Null-Dekarbonisierungspfad ohne den Einsatz von Gutschriften. Infomaniak strebt auch SBTi-Ziele an.
- Verantwortungsübertragung – ein grünes Abzeichen auf der Rechnung beantwortet nicht die CSR-Frage Ihres Kunden: Wo werden meine Daten gehostet und welche Nachweise kann ich vorlegen? Der Infomaniak-Bericht hilft; Ihr Vertrag und Ihre Architektur müssen ihn ergänzen.
Der Gipfel: Die beste Öko-Bewertung ersetzt nicht Ihre Sorgfaltspflicht
Folgendes vermeidet grünes Marketing deutlich zu sagen.
Diese Schlussfolgerung disqualifiziert Infomaniak nicht. Im Gegenteil: Gerade weil der Schauspieler glaubwürdig ist, lohnt es sich, seine Beweise zu lesen, anstatt beim Abzeichen stehen zu bleiben. Vergleichen Sie mit anderen Datensätzen nach denselben Kriterien in unserem Verzeichnis oder über den Vergleicher.
Entscheide dich und gehe ohne blinden Fleck voran
Um eine ruhige Entscheidung zu treffen – bei Infomaniak oder anderswo – gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:
- Laden Sie den Wirkungsbericht herunter und beachten Sie den CO2-Umfang, den PUE und die Materialrichtlinie.
- Mappen Sie Ihren Stack: Was passiert bei Infomaniak, bei einem CDN, bei einem Drittanbieter-SaaS?
- Legen Sie ein messbares Kriterium fest: zum Beispiel PUE < 1,2 + öffentlicher CO2-Fußabdruck + 100 % dokumentierte erneuerbare Energien.
- Test bei realer Auslastung: Ein einfacher Benchmark (TTFB, SQL-Abfragen, Seitengewicht) ist besser als ein Marketingargument zum Thema Ökologie.
Wenn Sie bereits bei Infomaniak hosten, besteht der nächste Schritt nicht unbedingt in der Migration. Es geht oft darum, den Verbrauch zu optimieren – Cache, Bilder, Cron, Datenbank – und dann den Wirkungsbericht als CSR-Dokument für Ihre eigenen Kunden aufzubewahren.
Bei Projekten, bei denen es um Souveränität und Ökologie geht, vergleichen Sie diese Umfrage mit Infomaniak- und RGPD-Residenz: Der CO2-Fußabdruck und der Zuständigkeitsbereich der Daten sind zwei separate Dateien, die beide dokumentiert werden müssen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Infomaniak wirklich klimaneutral?
Das Unternehmen veröffentlicht eine jährliche CO2-Bewertung und gibt an, dass es 200 % seiner Restemissionen ausgleicht, einschließlich eines Teils im Zusammenhang mit der Herstellung von Servern und Reisen. Das ist kein Mangel an Wirkung, sondern eine dokumentierte Strategie. Fordern Sie den aktuellen Bericht an, nicht nur das Abzeichen.
Was bedeutet der von Infomaniak angekündigte PUE 1.085?
PUE vergleicht die Gesamtenergie des Rechenzentrums mit der der Server. 1,085 ist ausgezeichnet. Es misst nicht den Fußabdruck Ihrer Anwendung oder die wiederverwendete Wärme – daher das Interesse an den ERE- und ERF-Indikatoren, die Infomaniak zu veröffentlichen beginnt.
Deckt das grüne Hosting von Infomaniak meine WordPress-Site ab?
Teilweise. Infomaniak kontrolliert seine Rechenzentren und seine Energie. Ihr Theme, Ihre Plugins, ein Drittanbieter-CDN oder externe Assets hinterlassen einen Fußabdruck, den der Host nicht kontrolliert.
Wie kann man Infomaniak mit einem anderen „grünen“ Hoster vergleichen?
Nach den gleichen Kriterien: dokumentierter PUE, nachweisbare erneuerbare Energie, Umfang des CO2-Fußabdrucks, Materialpolitik und öffentlicher Bericht – nicht auf einem Blattlogo ohne Zahlen.
Wenn ein Anbieter das nächste Mal sagt „Wir sind grün“, stellen Sie nur eine Frage: Zeigen Sie mir die Bilanz, den Umfang und den PUE. Infomaniak kann antworten. Viele andere tun dies nicht – und genau das möchte diese Umfrage beleuchten.
